Eine unbequeme Wahrheit

Das Tabu und die Scham bezüglich Menstruation war noch nie so groß wie heute. Viele denken, sie seien super offen. Ich denke, sie sind Opfer eines der größten Tabus unserer Gesellschaft! Nicht der menstruelle Zyklus ist das Problem, viel eher ist es unsere Gesellschaft, die vorgibt wie Frauen zu sein haben. Zoomen wir einen Moment auf die globale Perspektive.


Weltweit können rund 100 Millionen Mädchen (!) eine Woche pro Monat nicht die Schule besuchen, was oftmals zur Folge hat, dass sie die Schule frühzeitig beenden müssen. Vielerorts gab und gibt es immer noch die Überzeugung, menstruierende Frauen bringen Unglück und Gefahr, man dürfe keinen Sex mit ihnen haben, sie machen die Milch sauer, sind verantwortlich dafür, wenn die Ernte eingeht, der Mann Erektionsschwierigkeiten hat und vieles mehr. Fast alle Weltreligionen sind sich einig, dass menstruierende Menschen unrein, schmutzig und sündig und somit minderwertig sind. Menstruation soll oder muss versteckt und verheimlicht werden. Die Welt darf nicht wissen, dass wir bluten. 

Beispiel Fernsehen: Dort ist es ganz normal Krieg, Folter, Mord und Totschlag und in diesem Zuge auch Blut zu sehen. Aber wehe dem, wir würden menstruelles Blut sehen oder Bindenwerbung würde statt blauer rote Flüssigkeit verwenden....

Ich finde das sehr erschreckend und möchte das gerne ändern. Denn wir Menschen mit Menstruationshintergrund haben im Durchschnitt 40 Jahre lang einmal im Monat für 3 bis 6 Tage unsere Menstruation. Wir bluten im Durchschnitt 500 Mal, das sind ca. 2400 Tage und somit also gute sechs Jahre unseres Lebens. Bei jeder Monatsblutung verlieren wir rund 150 Milliliter Blut. Nun, ich finde das ist eine beachtliche Menge auf all die Jahre hochgerechnet. Und natürlich muss dieses Blut irgendwie aufgefangen werden, es sei denn wir sind bewandert im free bleeding. Und zu was greifen die meisten Frauen in unserer wohlhabenden Gesellschaft sobald das Blut anfängt zu fließen? Genau! Meistens Tampons und Binden (in ärmeren Gegenden werden oftmals alte Lumpen oder Kuhfladen benutzt). Und auch wenn jetzt einige sicherlich denken, wieso ist doch toll, immerhin keine Lumpen und Kuhfladen, dann bin ich gespannt was du denkst, wenn du fertig gelesen hast.

Kein Hersteller von herkömmlichen Binden und Tampons muss uns mitteilen was da alles drinnen ist, denn sie gelten als Bedarfsgegenstände.

Wer denkt, ein Tampon bestehe nur aus Watte, hat weit gefehlt! Ca. 90 Prozent der konventionellen Tampons und Binden bestehen aus einem Zellstoff-Plastikgemisch. Wer dies anzweifelt, sollte einfach mal auf firmeneigenen Internetseiten der Tamponhersteller nachlesen. Teilweise etwas in die Irre führend beim Durchlesen, doch wer hartnäckig dran bleibt wird fündig. Sicher ist, dass sie viel Plastik, wie auch gesundheitlich bedenkliche Stoffe enthalten. Von diesen konnte man in einigen Tampons Formaldehyd, Glyphosat, Dioxine, Pestiziedrückstände, unbekannte Duftstoffchemikalien, Chlor und/oder chemische Klebstoffe (um hier nur einige zu nennen) nachweisen, was teilweise nachweislich (sehr) giftig und krebserregend ist.

Hinzu kommt, dass innerhalb der Vagina mehr Feuchtigkeit und eine höhere Temperatur ist. Deshalb wird hier von herkömmlichen Tampons abgeraten, denn der Gebärmutterhals, welcher für Krebs sehr anfällig ist und dem die Tampons sehr nahe kommen, absorbiert über die Schleimhaut sämtliche Stoffe rasch auf.

Auch werden wir nicht aufgeklärt (ich zumindest wurde es nicht), dass es die sogenannte „Tamponkrankheit“ - das toxische Schocksyndrom gibt. Schnell mal bei Mama google nachgeschaut: „Das toxische Schocksyndrom (TSS, umgangssprachlich gelegentlich auch als „Tamponkrankheit“ bezeichnet) ist ein schweres Kreislauf- und Organversagen, das mit etwa einem Fall pro 200.000 Einwohner und Jahr sehr selten auftritt, hervorgerufen durch Bakterientoxine. Meist stammen sie von dem Bakterium Staphylococcus aureus, seltener von Streptokokken“ (siehe Wikipedia). Auch wenn es nur selten auftritt. Immerhin - Tampons können tödlich sein. Wieso wird hier nicht darauf hingewiesen?

Wie oben schon beschrieben, werden Tampons ja inzwischen nicht mehr ausschließlich aus Baumwolle, sondern auch aus synthetischen Fasern hergestellt. Dieser Faktor, verbunden mit der extremen Saugfähigkeit der Tampons, hat sich als geeigneter Nährboden für Bakterien erwiesen. Wird der Tampon zudem nicht regelmäßig gewechselt, kann es zu einer rasanten Vermehrung der oben genannten Staphylokokken kommen.

Und da Tampons, hier nun egal ob aus Biobaumwolle oder aus synthetischen Fasern, nun einmal in die Vagina eingeführt werden, um das Blut aufzusaugen, saugen sie eben auch gerne mal die „guten Bakterien“ mit auf. Und schwups kommt es zu einem Scheidenpilz oder einer Infektion.

Überlegt Euch also gut, was Ihr Euch „da unten“ reinsteckt.

Und nicht nur, dass unsere Hygieneartikel (schreckliches Wort) super ungesund sind, wir werden auch noch ordentlich damit abgezockt! Schon mal was von der pink tax gehört? Frauen bezahlen beim Kauf von "weiblichen" Drogerieartikeln wie Rasierklingen, Deos oder Parfüms fast immer mehr als die regulären Preise für das Männerproduktsortiment. Das belegt auch eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Nun ist es so, dass 1968 der Gesetzgeber Geringverdiener*innen und sozial schwache Menschen in Deutschland entlasten wollte. Für Lebensmittel, den Nahverkehr und für Kulturgüter sollte ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz gelten. Eine ehrenwerte Absicht, die durch Lobbyarbeit in ein Labyrinth von mangelnder Logik und Ausnahmeregelungen verwandelt worden ist. Schwierig und unübersichtlich sind die Ausnahmeregelungen bei Nahrungsmitteln und Grundkonsummitteln. Die Aufteilung der einzelnen Produkte in solche mit ermäßigter 7%- und solche mit voller 19%-Besteuerung ist nicht immer klar nachvollziehbar. So fallen z.B. Basislebensmittel wie Kartoffeln, Leitungswasser und Milch unter die 7%-Regelung. Für Süßkartoffeln, Mineralwasser und Sojamilch muss dagegen der volle 19%-Steuersatz gezahlt werden. Trüffel, Froschschenkel, Schildkrötenfleisch und Hundekekse gehen mit 7% durch. Und Tampons, ja, diese fallen, man möchte es kaum glauben unter die Luxusartikel! Hier werden satte 19% berechnet. Für Babywindeln übrigens auch.


Frauen verdienen laut zahlreicher Studien im Durchschnitt oft weniger, obwohl sie meist mehr arbeiten, bekommen weniger Rente und müssen ständig mehr zahlen. Geht´s noch?


Dies wird sich hoffentlich schnell ändern mit der aktuell eingereichten Petition:https://www.openpetition.de/petition/online/umsatzsteuer-besteuerung-von-periodenprodukten-mit-dem-ermaessigten-mehrwertsteuersatz-von-7


Foto credit: Frau Rabe

Britta Iva