Grenzen erforschen. Grenzen setzen. Grenzen sprengen.

 

Am Wochenende waren Iva und ich gemeinsam auf dem Xplore Festival in Kopenhagen. Berufliche Weiterbildung und Privatvergnügen in einem, so to say. In vielen Workshops gab es die Möglichkeit, eigene Grenzen in Bezug auf Sexualität spielerisch zu erforschen, bewusst zu setzen oder auch zu sprengen. Zu Beginn von fast jedem Kurs wurde das Thema der Grenzsetzung angesprochen. Meist in einem Atemzug mit der Einladung an alle Teilnehmenden, gut für sich selbst zu sorgen. 

 

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Doch wo genau verlaufen sie, diese Grenzen? Und was haben sie mit Selbstfürsorge oder auch Eigenverantwortung zu tun?

Gerade in der Sexualität und der physischen Interaktion mit anderen Menschen, geht es schnell um Grenzen. Grenzen körperlicher Art, wie zum Beispiel Einschränkungen in der Beweglichkeit oder Sensitivität aber meist noch ein gutes Stück vorher um Grenzen auf der emotionalen (wie z.B. Angst, Scham, Ekel) oder auch mentalen Ebene (z.B. Glaubenssätze oder Prägungen wie z.B. „Wenn ich so handle, dann wird dies oder jenes passieren/ dann halten mich alle für …." etc.)

Grundsätzlich gilt: Grenzen sind dafür da, uns zu schützen. Wir definieren unsere Identität, indem wir uns abgrenzen gegenüber allen und allem, wer oder was wir nicht sind. Ohne Du kein Ich! Und obwohl wir in jedem Moment die Möglichkeit haben, unsere Grenzen neu zu definieren, neu nachzuspüren, was sich „gut“ anfühlt, und was nicht, fällt es besonders im sexuellen Kontext den meisten Menschen schwer, eigene Grenzen (Wünsche und Bedürfnisse) klar wahrzunehmen UND zu kommunizieren. 

Wichtig ist in dem Zusammenhang die Erkenntnis, dass ein ehrliches JA zu etwas nur dann erfolgen kann, wenn ich auch jederzeit in der Lage bin, meinem ehrlichen NEIN Ausdruck zu verleihen. J.E.D.E.R.Z.E.I.T. Ob sich etwas angenehm und stimmig anfühlt, oder nicht, ob mir etwas Freude und Lust bereitet, oder eben nicht, kann sich sekündlich verändern. Und natürlich sollten auch ein VIELLEICHT bzw. eine ängstliche oder freudige Unsicherheit ihren Raum haben. Sie können ein guter Hinweis sein, dass man gerade im Begriff ist, sich (s)einer Grenze anzunähern. Hier hilft es neben kontinuierlicher Kommunikation das Tempo zu verlangsamen und ganz genau hinzuspüren, wie sich etwas anfühlt. Wo genau sitzt sie, diese Grenze? Ist mir etwas körperlich unangenehm, wie z.B. eine unbequeme Position, oder die Tatsache, dass mein Gegenüber gerade auf meinen Haaren liegt, oder tauchen unbequeme Gedanken und Gefühle auf? 

Und erst dann, wenn ich überhaupt mitbekomme, was in mir passiert, habe ich die Freiheit, eine klare Entscheidung zu treffen. Meine Grenze zu setzen. Oder sie bewusst zu überschreiten und vielleicht neu zu definieren. Im Kontakt mit mir und meinem*n Gegenüber*n.

Wenn das allen Beteiligten klar ist, macht das Vieles einfacher. Und noch einfacher, schöner und entspannter wird es, wenn wir die Grenzen (Wünsche und Bedürfnisse) unseres Gegenübers NICHT persönlich nehmen. 

Fazit: Es ist ein kraftvolles Werkzeug, ganz einfache Sätze, wie „das mag ich“ und „das mag ich nicht“ in jedem Moment klar mitteilen zu können. Und obwohl es erstmal so einfach klingt, macht es besonders in sexuellen Begegnungen Sinn, dieses Erforschen und Setzen von Grenzen bewusst miteinander zu üben. Das gibt jeder*m Beteiligten die Freiheit, sich in jedem Moment mit Grenzen und Wünschen (neu) zu definieren und die Sicherheit, eine authentische Antwort zu erhalten. 

Die Fähigkeit der „Grenzsetzung“ ist eine notwendige Voraussetzung, um langfristig ein ehrliches, intimes und erfüllendes Miteinander leben zu können. Das ist eigenverantwortlich. Selbstfürsorgend. Und sexy.

Britta Iva